Briefe an Robin und Stella

   Mein geliebter Goldschatz!

Robin, den Duft Deiner Haare? Ich kenn ihn nicht mehr. Aber jetzt hör ich wieder Deine Stimme:

"Mamaah"

So riefst Du mich, so hast Du mich erkannt, wenn ich nach Hause kam. Schon im Treppenhaus hörte ich das Trappeln Deiner kleinen flinken Füße.

"Mamaah, And"

Ein Patschhändchen griff nach mir, wenn Du vom Stuhl springen wolltest und ich mußte flitzen, um Dich auch wirklich zu erwischen, so unerschrocken warst Du.

"Mamaah, Bu"

Mit einem Buch setztest Du Dich auf meinen Schoß,den linken Daumen im Mund und Dein Schmusebärchen an Deine Wange gepresst. So viel Liebe, verpackt in zwei strahlendblaue Augen. Jetzt spür ich wieder Deine Wange an der meinen und Dein Haar, wenn ich Dir über Dein Köpfchen streichle. So schmusig, so anhänglich.

"Mama, net adda"

Nein, Robin, nie wollte ich von Dir getrennt sein, ich weiß doch, welche Angst Du vor dem Alleinsein hast!

Robin, ich kann Dich wieder riechen!

"Mamaah, mmmmmmhhhhh"

Ja, Robin, Du duftest wunderbar und ich höre in Gedanken Alena sagen "der riecht nach Tubbypudding!" Keine Ahnung, wie ihr darauf gekommen seid, daß Euer Schaumbad nach Erdbeerpudding - nach Tubbypudding riechen würde. Der Geruch nach Dir bleibt noch einen Moment in meiner Nase - dann ist er weg. So schnell gegangen, wie er gekommen war. So schnell weg, wie Du.

Nie hattest Du Ruhe, immer unterwegs. Was meinte Papa immer? Bist Du da, bist Du weg! Wie recht er doch hatte... vor allem jetzt!

Schon wieder Du, mein kleiner Klettermax, ganz oben auf dem Baum!

Wie bist Du nur daraufgekommen? Kannst Du fliegen? Ja...nun kannst Du es (ob Du wohl noch immer Bäume hochkletterst?)

Und die Angst in meinem Bauch wird groß und ich höre mich sagen:

"Robin, sei vorsichtig. Wenn Du da runterfällt, bist Du tot und ich geb Dich so schnell nicht her."

Sagt man sowas zu einem Kind, wenn es auf Bäume klettert? Ich habe es noch nie zu Deinen Geschwistern gesagt, noch nie diese Angst gefühlt, wie bei Dir, diese Angst, Dich nicht behalten zu dürfen.  Und Du hängst da oben auf dem Baum, strahlend, glücklich.Wusstest Du es, daß  heute nichts passieren könnte? Wußtest Du es?

Du springst von ganz oben runter in meine Arme, rufst während dem Springen wieder

"Mamaah, And"

und ich breite meine Arme aus, um Dich aufzufangen, drücke Dich, fühle Dich, ja, Robin, ich fühle es wieder, wie ich Dich gedrückt habe, als Du endlich von diesem verdammten Baum unten warst und ich keine Angst mehr haben brauchte.

Endlich, endlich fühle ich Dich wieder, ganz nah bei mir, fühle Dich in meinen Armen. Aber noch stärker fühle ich den Schmerz, tief in meinem Herzen und ich fühle den schweren Druck auf meinem Brustkorb, als würde ich von dieser schweren Last erdrückt werden, denn Du bleibst ja tot.

Unwiederbringlich und trotz aller Liebe und den eben noch so lebendigen, fast wirklichen Erinnerungen, ist es wieder so leer in meinem Kopf.

Wie war es denn mit Dir?

Alles erscheint so weit weg, so unwirklich.

Aber wenn ich mich anstrenge, tauchst Du wieder auf in meinem Kopf. Und ich fühle Dich mal wieder - weich und warm.

Weißt Du noch, wir beide? Du und ich?

Ja, Robin, ich fühle Dich, Dich sitzend auf meinem Schoß!

Nicht nur die kalte Glasscheibe von Deinem Foto, das ich ohnehin kaum erkennen kann, da mir die Tränen die Sicht auf Dich versperren. Ich seh Deine schönen blauen Augen.

Wie lange strahlen sie  nicht mehr für mich?

Nun werden es neun lange Monate sein. Neun Monate, in denen niemand mehr so wie Du

"Mamaah"

gerufen hat, in denen keiner mehr vor der Waschmaschine saß, um das Schmusetuch in der Trommel zu bewachen. Keiner, der morgens einfach wartend vor meinem Bett steht, geduldig ausharrend, bis ich die Augen aufmache, weil ich fühle, Du bist da, weil ich fühle, gleich blicken mich zwei Kinderaugen voller Liebe und Freude an.

Warum bloß?

Und morgens kommt Alena nur noch alleine an unser Bett. Ich hole Timmy, um zu viert zu kuscheln. Und ich habe solche Angst, daß auch sie eines Tages nicht mehr kommen - so wie Du, daß auch sie eines Tages einen Mittagschlaf machen, der für die Ewigkeit dauert.

Robin, ich liebe Dich und vermisse Dich! Gib Deiner Schwester einen Kuß von mir! Ich hab Euch lieb!

© by Robins Mama

Ein Lied, gedichtet von Alena für ihre Geschwister

(nach der Melodie Funkle funkle kleiner Stern)

Funkle funkle kleiner Robin und die Stella noch dazu.

Schwesterlein hier auf der Erde winkt Euch immer wieder zu.

Funkle funkle kleiner Robin und die Stella noch dazu,

auch wenn ihr so weit von mir,

seid ihr in Gedanken hier.

© by Robins und Stellas Schwester Alena (damals 4J.)

Mein allerliebster Schatz,

nun ist es schon ein ganzes Jahr her, daß ich Dich nicht mehr bei mir habe.

Nie hätte ich es für möglich gehalten, daß sich nach Deinem Tod die Welt einfach so weiterdreht und doch beginnt jeden Morgen erneut ein neuer Tag - ein neuer Tag ohne Dich.

Es ist seltsam, was der Mensch alles ertragen kann. Manchmal zerreißt es mich fast vor Sehnsucht nach Dir und auch wenn ich weiß, daß es Dir gutgeht, tat mir an Deinem Todestag nocheinmal das Herz ganz besonders weh.

Lange mußte ich auf das Bild an Deinem Grabstein schauen - Dein Lächeln, dieses unwiderstehliche Grinsen in Deinem Gesicht und ich frage mich, ob ich das alles nur geträumt habe, oder ob du wirklich bei mir warst.

Du hast mein Leben auf so wunderbare Weise bereichert und dafür möchte ich Dir danke sagen.

Danke Robin, daß Du 21 Monate und 18 Tage bei mir warst und mir mit Deinen kleinen Schandtaten mein Leben versüßt hast, mich mit Deiner fröhlichen Art verzaubert hast und mir gezeigt hast, wie man die Sonne einfängt.

In diesem Jahr des Vermissens habe ich viel gelernt. Vielleicht hätte ich das nie gelernt, wärst Du nicht bei uns gewesen.

Es tut mir so unendlich leid, daß ich Dir nicht mehr mitgeben konnte, daß Du oftmals hinten anstehen musstest, wegen Alena und Tim. Du warst immer so verständnisvoll und genügsam. Vielleicht zu genügsam. vielleicht hättest Du auch mal ordentlich auf den Tisch klopfen sollen, wie Alena und mal ordentlich Rabatz machen müssen. Aber Du hast immer ganz geduldig gewartet, bis Du an der Reihe warst.
Ich bin so froh, daß wir von Januar bis Mai, als Alena dann in den Kindergarten ging, so viel Zeit für uns ganz alleine hatten, so viel Zeit, wie wir nur zusammen im Krankenhaus verbringen konnten.

In diesen vier Monaten hatte ich die Möglichkeit, so viele Erinnerungen zu sammeln, die mir über deinen schmerzlichen Tod hinweghelfen. All das möchte ich keine Sekunde mehr missen, die Spaziergängen durch den Wald, daß man Dich inständig von irgendeinem Baum pflücken musste oder Dich aus einer riesigen Pfütze retten musste. Die vielen mißlichen Situationen, wenn du mal wieder festgesteckt bist, weil Du Dich mal wieder in eine viel zu enge Lücke zwängen musstest und die vielen kleinen Schrecken, die Du mir oftmals am Morgen verpasst hast, weil Du Dir in der Nacht mal wieder einen anderen Schlafplatz gesucht hattest und ich Dich dann unter dem Bett, schlafend im Kleiderschrank oder im Puppenbett wiederfand.
Aber am meisten ist mir im Gedächtnis geblieben, daß Du wie ein Eichhörnchen Dein Essen gebunkert hast. In jeder Ecke waren Kekse zu finden, selbst in den Stofftieren, die man mit Reißverschluß verschließen konnte. Eigentlich warst Du ganz schön gewieft, mein Schatz!

Erst gestern habe ich wieder ein Video von Dir angeschaut - Du - kurz vor Deinem ersten Geburtstag im Planschbecken. 30 Minuten nochmal Dich sehen - lebend!

Ach Robin, wenn ich so nachdenke, kommen so viele Erinnerungen zurück für die ich Dir so unendlich dankbar bin.

Du glaubst nicht, wie stolz ich bin, Dich gehabt zu haben. Du bist das beste, was mir passieren konnte, neben Deinem Papa und Deinen Geschwistern.

Mein kleiner Fetz, ich wünsche mir so sehr, daß Du dort oben, ganz egal wo Du auch bist, so glücklich bist, wie ich es war, als Du noch bei uns warst.

Paß gut auf Dich und Deine große Schwester auf und habt ganz viel Spaß zusammen. Und Robin - wenn es nicht unbedingt sein muß, dann klettere bitte nicht auf Bäume - ich kann Dir doch Deine Hosen garnicht mehr nähen und außerdem mache ich mir schon ein wenig Sorgen, ob Du nicht doch irgendwann mal fallen könntest. Ja?

Einen Handkuß mit ganz viel Liebe und Sehnsucht schicke ich Dir jetzt in den Himmel.

Ich liebe Dich! Deine Mama

Für Stella

Es war eine schöne Schwangerschaft - ohne Übelkeit, ohne Wehwehchen.

Fünf Monate habe ich es genossen, Dich bei mir zu haben, fünf Monate, in denen Du in meinem Bauch gewohnt hast.

Eigentlich haben wir nur noch gewartet, bis Du endlich geboren wirst.

Doch dann wurde es so still in meinem Bauch.

Totenstill.

Still bist Du gekommen,

still hast Du Dich davongeschlichen.

Meine Arme sind so verdammt leer.

Aber aus meinem Herzen konntest Du Dich nicht davonstehlen, dort wirst Du immer einen Platz haben.

Dort bist Du für immer mein kleines Engelsbaby.

Stella

Du bist so klein,

aber so vollkommen.

An Dir ist alles dran, was ein kleines Menschenkind zum Leben braucht.

Winzig kleine Hände zum Greifen und um an Mamas Haaren zu ziehen.

Kleine Beinchen, die drauf warten, die Welt zu betreten.

Ein kleines Mündchen, um nach der Mami zu rufen.

Ein kleines Näschen, um genau zu wissen, das ist meine Mami.

Kleine Augen, um neugierig in die Welt zu schauen,

Ein kleines Mündchen, um zufrieden zu schmatzen.

Was braucht man mehr zum Leben?

Das echte Leben konnte ich Dir nicht geben,

auch wenn ich nicht verstehen kann, warum Du nicht leben konntest.

Erinnerungen am 1. Todestag

Kleiner Robin,

Erinnerst Du Dich an den Tag, als Du geboren wurde und ich Dich zum ersten Mal sah?

Meine Güte, warst Du klein!

Kleiner Schatz,

Erinnerst Du Dich, als Du mich  zum ersten Mal angeschaut hast?

Du hieltest Deine Augen so lange geschlossen, so müde warst Du und ich war jeden Tag gespannt, wann Du mir das erste blau Deiner Augen schenken würdest.

Kleiner Hase,

Erinnerst Du Dich, als ich Dich zum ersten Mal auf den Arm nehmen durfte?

Fast 2 Wochen habe ich darauf gewartet, Dich meine Wärme spüren lassen zu dürfen.

Meine Güte, was hatte ich für Angst, Dir wehzutun mit Deinen vielen Kabeln und Schläuchen und dem Tubus, der in Deiner kleinen Lunge steckte.

Kleiner Fetz,

Erinnerst Du Dich, daß Du mich  schon an meiner Stimme erkanntest und mir zulächeltest?

Schon damals, ein ganz besonderer kleiner Junge mit einem Engelslächeln!

Kleiner Mausebär,

Erinnerst Du Dich, als ich Dich zum ersten Mal sanft in den Schlaf wiegen durfte?

Ich war so glücklich, für Dich dasein zu dürfen!

Mein Puschel,

Erinnerst Du Dich, als Du mich zum ersten Mal mit deinen Grimassen zum Lachen brachtest?

Du konntest so verschmitzte Blicke ausetzen!

Kleiner Räuber,

Erinnerst Du Dich, als ich zum ersten Mal über deine Spielsachen stolperte, die in der ganzen Wohnung verstreut lagen?

Ganz besorgt warst Du und nahmst mich in den Arm! Mein fürsorglicher kleiner Engel!

Kleiner Wusler,

Erinnerst Du Dich an die vielen Tage, an denen wir zusammen Spaß hatten?

Noch heute sehe ich Dich den kleinen Waldweg entlanglaufen und in jede Pfütze reinpatschen!

Armer Hase,

Erinnerst Du Dich an die Tage, an denen es Dir schlecht ging und Du dich an mich gekuschelt hast?

Du hast mir so leid getan, mit Deinen Bauchschmerzen und ich konnte Dir nicht helfen, nur dasein konnte ich.

Kleines Bubbele,

Erinnerst Du Dich an den Tag, als ich Dich loslassen mußte?

Wir hatten so einen schöne Tag zusammen! Haben zusammen gelacht, gespielt, gekuschelt! Es war so ein besonderer Tag! Und ich war so verdammt glücklich! Glücklich Dich zu haben, glücklich, Dich erleben zu dürfen, glücklich, Deine Mami zu sein, glücklich mit Dir mein Leben teilen zu dürfen -Nichts ahnend, was später geschehen würde!

Aber hey, das wichtigste: Erinnerst Du Dich an mich?

An meine Liebe, meine tiefe Liebe zu Dir! Ich bin so dankbar, Dich gehabt zu haben!

Dich herzugeben war schwer, Dich zu vermissen noch viel mehr! Du bist noch immer mein Bubbele, mein Fetz, mein Puschel, Du erfülltst noch immer mein Leben, früher mit Freude, heute mit Schmerz.

Du warst und bist ein Wunder und keine Wunde.

Dich liebe ich und nach Dir sehne ich mich. Jeden Morgen, mit jedem neuen Tag.

Du bist mein Leben, meine Liebe, meine Trauer und mein Schmerz. Du bist mein Sehnen, mein Hoffen, meine Zuversicht.

Du bist jede Träne wert, die mein Herz nach Dir weint.

Du bleibst mein Leben lang unvergessen,

Du mein Wunder Du!

Zum zweiten Jahrestag von Robin...

Mein lieber Robin,

 

jetzt ist es gleich ein Uhr nachts.

 

Heute vor zwei Jahren ahnten wir noch nichts davon, was wenige Stunden später an Leid und Trauer über uns hereinbrechen würde.

 

Wenn ich meinen Gedanken ihren Lauf lasse, fühle ich mich, als wäre ich in einem Theaterstück mit uns in der Hauptrolle. Aber die Realität zu erkennen, dass es wirklich wir sind, ist nicht mehr ganz so ernüchternd.

 

Ob Du schon wusstest, dass das unser Abschied werden würde? Du warst so besonders in den letzten Stunden, bist mit einem Lächeln wach geworden, gabst keinen Grund zum Schimpfen, keinen Streit zwischen Dir und Alena – alles so friedlich...

 

Und so friedlich bist Du dann auch eingeschlafen und hast Dich hinübergeträumt von unserer Welt in eine neue, mir fremde und unbekannte Welt, die so unerreichbar und weit für mich erscheint.

 

„Whole again“ lief im Radio, als ich Dich leblos in Deinem Kinderwagen fand – „you can make me whole again“ – wie passend für Deinen Abschied.

 

Den Moment Deiner Geburt konnte ich schon kaum befreifen – so viel Glück – und den Moment Deines Todes werde ich noch viel weniger begreifen können. Das Warum ist heute nicht mehr so wichtig, das würde zu sehr nach verloren klingen. Wichtig ist nur noch, Dich gehabt zu haben, wenn auch nur so kurz – für mich viel zu kurz – dennoch bedeutet das ein ganzes Leben.

 

Oft hab ich mich gefragt, ob Du wohl glücklich warst, ob es Dir wohl bei uns gefallen hat, aber ich glaube, wärst Du nicht restlos zufrieden gewesen, wärst Du noch hier. Ich bin mir sicher, Du hast einen Plan verfolgt, eine Aufgabe, die Du unbedingt erledigen wolltest hier auf der Erde. Und wenn es die Aufgabe war, uns zu zeigen wie man die Sonne einfängt, dann kann ich Dir heute versichern, keiner hätte die Aufgabe besser lösen können wie Du.

 

Nein, ich will heute nicht mit dem Schicksal hadern, hat es doch Dich zu uns gebracht und dafür will ich dankbar sein.

 

Unendlich viel hast Du uns gegeben und nur das zählt. Das hilft uns über so manchen traurigen schweren Tag hinweg und manchmal bin ich froh, dass Du viele Alltagssorgen nicht miterleben musst,  so wie Alena und Tim und so Gott will, auch Dein Geschwisterchen in meinem Bauch. Ich hoffe, dass Du von diesem einzigartigen Frieden umhüllt bist, den ich manchmal spüre, wenn ich an Dich denke.

 

Mich übersteigt große Unruhe, wenn ich an die kommenden Stunden denke. An Schlaf ist jedenfalls bislang noch nicht zu denken, zu zappelig bin ich, weil ich nicht einordnen kann, welche Gefühle mich in wenigen Stunden noch überfallen. Wahrscheinlich wird wieder für einen kurzen Moment der Schmerz stärker sein als ich, wenn mich all die Eindrücke, Gefühle und Erinnerungen an damals einholen. Aber auch dann wirst Du bei mir sein, wirst mir die sichtbaren und unsichtbaren Tränen von den Wangen wischen und mir liebevolle Gedanken schicken.

 

Ich hoffe, wir können uns in ein paar Stunden wieder ganz ganz nah sein und in Ruhe und Frieden an Dein Grab treten – ohne Ärger so wie die letzten Jahrestage. Ich hoffe, dass man uns diese kostbaren Momente mit Dir lässt. Alena hat so viel vorbereitet für Dich und das soll ich Dir nicht verraten und auch Tim war heute schon ganz aufgeregt.

 

Siehst Du, sogar ihn hast Du verzaubert, obwohl er doch noch so klein war, als Du von uns gegangen bist.

 

So, mein großer Schatz, ich schicke all meine Liebe zu Dir, verpackt in große bunte Luftballons, so wie Du es gerne hattest...

 

Mama

Ein weiterer Jahrestag ist vergangen...

Einer der Tage, der auf Tränen ins Meer schwimmt.

Dabei wollt ich lachen und dein Lachen hören.

Doch nur der Sturm rausch in den Zweigen.

 

Mein kleiner Schatz,

 

nun ist bald auch dieser Tag zu Ende und wir werden in ein neues in ein drittes Jahr ohne Dich gehen.

 

Wir werden wieder versuchen auf die Beine zu kommen,  uns wieder darauf zu konzentrieren, ein Stück näher an den Punkt zu kommen, den man wieder „Leben“ nennen kann.

 

Doch ohne Dich wird immer Ausnahmezustand sein.

 

So langsam findet sich wieder der eine oder andere Moment, den man als „glücklich“ bezeichnen kann, aber vollkommenes Glück – dazu müsstest Du bei uns sein...

 

So oft hab ich mich schon gefragt, ob ich wohl träume? Ob nicht Dein Tod ein schrecklicher Traum war, sondern nur die kurze Zeit mit Dir ein wunderschöner Traum war?

 

Du fehlst mir so, wie ein Traum mir fehlt, den man nicht träumen kann, weil man aufwachen muß. Und Dich habe ich einfach noch nicht zu Ende geträumt und mittlerweile fehlt mir oft die Vorstellungskraft, um mir ein Bild zu machen, wie Du heute wärst,  so als fast Vierjähriger... Mit welchen Wünschen zum Geburtstag würdest Du uns täglich in den Ohren liegen? Vor welchen Dingen würdest Du im Spielzeugladen staunend stehen bleiben?

 

Mir fehlt so viel von Dir, an Dir...

 

Schon Timmy zu sehen, wie er jetzt älter geworden ist als Du, fällt an manchen Tagen unendlich schwer und regt zum Grübeln an, was Du in dem Alter so alles getrieben hättest...

 

In vielem ist er Dir so ähnlich – er kann sich auch so toll freuen, an ähnlichen Sachen wie Du und das lässt uns erahnen, wie Du wohl sein würdest... Aber was hilft es an manchen Tagen schon, wenn man sich ein Leben mit Dir in den schönsten Farben ausmalt, wenn es doch nur ein Traum bleiben wird, wenn wir Dich nie wieder erleben dürfen, Dich nie wieder spüren dürfen,  nie wieder Dich riechen mit Deinem tollen Tubby-Pudding-Shampoo-Duft? Wenn wir nie wieder über so viel Fantasie von Dir staunen dürfen?

 

Irgendwie warst Du der Dreh- und Angelpunkt unserer Familie. Du hast mit Deinem einzigartigen Wesen Licht in den dunkelsten Tag gebracht mit einer Herzlichkeit, die ich selten erlebt habe und oft kamst Du mir so wissend vor, so reif, verständiger als jeder Erwachsene mit einer Wahrheit in Dir, die zu beschreiben unmöglich wäre.

 

Es brauchte bei Dir nicht vieler Worte – Du hast wortlos verstanden, woran es fehlte und hast selbstlos das verschenkt, was Du in Hülle und Fülle zu geben hattest: bedingungslose Liebe und Wärme.

 

Du hast uns allen gezeigt, wie man die Sonne einfängt.

 

Und wie könnt ich Dir anders danke sagen, als Dir ebenfalls meine grenzenlose Liebe entgegenzubringen?

 

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Wie gerne erinnere ich mich zurück an den Moment, als wir uns kennenlernten und ich bin froh, nicht mehr davor flüchten zu wollen vor all den Erinnerungen an Dich, die ich noch vor einem Jahr manchmal als Belastung empfand.

 

Ich weiß, Du hast mich durch diese ganz schlimme erste Zeit der Trauer begleitet, warst mir nah, auch wenn ich es manchmal nicht begreifen wollte; hast mir manchen Lichtblick gegeben, um weiterzumachen, damit ich endlich den richtigen Weg finde.

 

Auch wenn noch viel Weg vor mir liegt, weiß ich heute zwei Jahre nach Deinem Tod, ich kann es schaffen. Durch Dich weiß ich erst wie stark ich bin. Weiterzumachen, weiterzukämpfen, das bin ich Dir schuldig. Aufzugeben würde Deinen Tod noch viel sinnloser machen.

 

Ich liebe Dich so sehr. In meinem Herzen wächst Du Tag für Tag weiter und bleibst mein Sohn – geliebt, beweint und unvergessen.

22.03.2004

 

Mein kleiner Fetz,

 

heute hatte ich mal wieder das dringende Bedürfnis, meine Gedanken zu ordnen und für Dich ein paar Zeilen zu schreiben.

 

Wieder hat ein neues Jahr ohne Dich begonnen und ich versuche mich mit dem Frühling zu versöhnen, versuche die Sonnenstrahlen lieb zu haben, auf denen Du vor fast drei Jahren hinaufgestiegen bist ins Sternenkinderland.

 

Ich weiß, es wird, es muß mir auch in diesem Jahr wieder gelingen, den Frühling und alles sich regende neue Leben willkommen zu heißen und mich daran zu freuen, auch wenn Du nicht mehr da bist und ein klein wenig an Vollkommenheit fehlt.

 

In diesen Tagen bin ich oft sehr nachdenklich, weil sich mit dem beginnenden Grün auch wieder der  Tag jährt, an dem Du Dich hinübergeträumt hast aus unserer Welt in eine mir ferne unbekannte Welt, in der Du sicherlich glücklich bist.

 

So vieles ist in den vergangenen Wochen hier passiert – ohne Dich und doch mit Dir, denn irgendwie bist Du immer dabei und dafür möchte ich Dir danke sagen, dass auch nach drei Jahren so viel Zauber von Dir zurückgeblieben ist, der immer noch anhält – vielleicht sogar doch genug für ein ganzes Leben?! Langsam aber sicher gewinne ich immer mehr an Sicherheit, dass Du soviel Wärme und Liebe zurückgelassen hast, dass ich für immer daran zehren kann, wenn es mir schlecht geht. Und doch regt sich in manchen Momenten doch die Sehnsucht und der Wunsch, Dich mal wieder in die Arme nehmen zu dürfen.

 

Auch wenn ich vor einigen Tagen noch etwas aus der Spur war, weil ich Dich in der neuen Wohnung nicht finden konnte, Dir keinen Platz einräumen konnte, weil Du hier einfach noch nie warst, bin ich mir sicher, dass ich auch dieses Mal wieder mit Deiner Hilfe schaffe, einen Schritt nach vorne zu gehen, einen neuen Abschnitt zu beginnen, auch wenn ich gleichzeitig fühle, dass ich Dich wieder ein Stück mehr loslassen muß. Und ich kann Dich gehen lassen, weil ich weiß, dass immer ein Teil von Dir hier bei mir ist und dass Du niemals so ganz gehst.

 

Mir hat einfach nur der klare Kopf gefehlt, um Dich tief, ganz tief in meinem Herzen wiederzufinden, zu fühlen, dass  Du überall bist, wo wir sind. Manchmal bin ich einfach nur zu durcheinander, um das zu fühlen, aber ich bin froh, dass Du mir so manches Mal wieder den Kopf zurechtrückst und mich daran erinnerst und sei es auch nur durch einen Traum, indem Du mir wieder so richtig nahe sein kannst.

 

Mein kleiner Großer, oft wünsche ich mir mehr Zeit mit Dir, mit Deiner Himmelsschwester, aber ich glaube, ihr wisst, es ist und war schon seit jeher so, dass jedes Kind meine Aufmerksamkeit bekommt nach „Art und Dringlichkeit“.

 

Ich weiß ja, um Euch zwei im Himmel brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Ihr seid gut behütet und habt so viele Freunde da oben und so ist es halt eben Damaris, mit der ich mehr Zeit verbringe, weil sie gerade ihre ersten selbständigen Entdeckungstouren hinter sich bringt.

 

Manchmal stelle ich dann erschreckt fest, dass sie so ist wie Du, so aussieht wie Du – ihr ganzes Wesen, ihre Art, ein zweiter Robin.

 

Oft habe ich schon gegrübelt, warum diese ganzen Parallelen – manchmal war es mir schon unheimlich, ein Kind hier bei mir zu haben, dass Du sein könntest, wenn man die Zeit zurückdrehen würde.

 

Aber im Leben gibt es keine Zufälle und irgendwie finde ich es auch spannend und schön, so viel von Dir zurückzubekommen, an so vieles, was wir mit Dir erlebt haben, durch Damaris neu zu erinnern.

 

Und vielleicht ist auch das alles ein einzigartiges, großes Geschenk?!

 

Ich fühle, dass ihr beide eine ganz besondere Bindung habt. Zu oft hält Damaris vor dem Schrank an mit Deinen Sachen, seit sie krabbeln kann und hält ewig inne. Fühlt sie Deine Nähe?

 

Vielleicht seid Ihr Euch ja begegnet, da wo Du bist und wo sie wohl herkommt, dort, wo alle Seelen ihr Zuhause haben …

 

Mein kleiner Großer, es ist nicht mehr viel Traurigkeit geblieben, auch wenn ich manchmal doch sehr nachdenklich bin, ist es doch die Liebe, die uns verbindet und die den anderen über alle Barrieren hinweg erreicht und mich so jeden Tag aufs Neue mit dem Schicksal versöhnt.

 

 

Heute Abend, wenn alle im Bett sind, werde ich mich wieder zurücklehnen und die Augen schließen und fühlen, dass Du und Stella mir ganz ganz nah seid …

 

Ich liebe Euch!!!

 

Eure Mama

30.04.2004

 Heute vor drei Jahren ...

...war alles noch gut ...

und nun ist es zwar wieder irgendwie gut, aber nicht mehr so wie früher ...

Ich bin gerade ziemlich durcheinander - nicht, daß es mir wirklich schlecht geht, aber ich bin sehr nachdenklich und irgendwie ist da wieder dieser schwere Stein auf meinem Brustkorb.

Heute vor drei Jahren hat Robin noch gelebt. In der Nacht vor drei Jahren habe ich ihn noch ganz ganz fest an mich gedrückt, als er zu mir ins Bett gekrochen kam.

Ich kann es manchmal kaum glauben, daß er nun schon drei Jahre nicht bei uns ist ... und heute vor sogar sechs Jahren, turnte Stella noch munter in meinem Bauch herum.

Daß sich die Welt so einfach weiterdreht ...!

Damals, bevor das alles passiert, hätte ich niemals für möglich gehalten, daß man sowas überleben kann und als ich dann auch noch Robin hergeben mußte, hätte ich nie geglaubt, daß ich wieder einmal lachen könnte, daß die Zeit käme, wo es mir wieder gutgeht.

Auch wenn vieles nicht mehr so ist, wie es einmal war, ist mein Leben doch wieder lebenswert und dabei haben mir meine zwei wunderbaren Himmelskinder Stella und Robin täglich wunderbar geholfen und mich oft in die richtige Richtung gestupst.

Meine Trauer ist eine andere geworden. Ich fürchte mich nicht mehr vor ihr, sie gehört zu mir, wie eine gute alte Bekannte, die immer mal wieder vorbeischaut, aber ich weiß, daß auch wieder der graue Schleier, der sich über mich legt, verschwindet und daß die Sonnenstrahlen wieder in mein Leben fallen.

Warme zarte Strahlen und ganz viel Liebe zu Robin und Stella.

Ich weiß heute, daß ich nicht ins Bodenlose falle, daß da immer meine beiden Kinder sind, die mich auffangen, daß Sonnenstrahlen in meine Seele fallen, wann immer ich von ihnen rede und daß mir sehr sehr viel geblieben ist von dieser kurzen Zeit mit ihnen - dankbare Erinnerungen, die so kostbar sind und mich über alle Schmerzen hinwegtrösten konnten.

Ohne Robin und Stella wäre mein Leben um einiges unerfüllter und leerer.

Am Sonntag wird sich zum dritten Mal der Tag jähren, an dem ich Robin ins Kinderparadies ziehen lassen mußte.

Heute sehe ich ihn wieder ganz ganz deutlich vor mir, wie ich ihn tot im Kinderwagen fand und ich kann den tiefen Schmerz von damals fühlen, als ich realisierte, daß er tot ist - unwiederbringlich gestorben.

In Gedanken gehe ich dieselben Wege wie damals und gleichzeitig bin ich froh, daß ich all das geschafft habe, daß ich so weit gekommen bin und daß mich Robin durch diese schwere Zeit getragen hat und mir immer so nah war.

Robin, dafür möchte ich Dir danken, daß Du so viel Geduld mit mir hattest und mir immer, wenn ich ein kleines Wunder brauchte, für mich da warst.

Jetzt bist Du schon ein großer Bub von bald fünf Jahren und es ist ganz OK, wenn Du auch mal Deine eigenen Wege gehst. Ich weiß ja, daß Du jederzeit bei mir bist, wenn ich Dich brauche und daß auch Du ab und an mal spickeln kommst, was wir hier unten so anstellen.

Ich bin unendlich dankbar, daß Du mein Sohn bist. Du bist einzigartig und wundervoll und wirst für immer mein Goldstück sein.

Du hast mein Leben auf so wundervolle Weise bereichert und auch jetzt noch fallen Sonnenstrahlen in unsere Seelen, wenn wir von Dir reden.

Sonntag werden es drei Jahre sein, daß wir ohne Dich leben und vielleicht bist Du ja an diesem Tag wieder ganz nah bei uns. Ich weiß noch nicht, was dieser Tag mit sich bringt, ob er einfacher wird, als die Jahre zuvor, aber ich weiß, daß Du garnicht so weit bist und sicherlich meine Tränen von den Wangen wischst, wenn der Schmerz für einen Moment stärker ist als ich ...

Ich liebe Dich unendlich, mein Schatz. Flieg vorsichtig und paßt gut aufeinander auf Stella und Robin.

In Liebe, Mama



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